Chinas digitale Währung: Was wir bisher über „DC/EP“ wissen

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Nun ist es amtlich: Als erste Industrienation weltweit testet China seine digitale Zentralbankwährung DC/EP in der Praxis. Jonas Groß über den aktuellen Stand des CBDC-Projekts und die ökonomischen und gesellschaftlichen Implikationen.

China ist beim mobilen Bezahlen weltweiter Vorreiter. Untersuchungen in den Metropolen Shanghai, Peking und in Hangzhou zeigen, dass sich die Marktanteile mobiler Bezahlverfahren auf bis zu 60 Prozent belaufen (Bargeld: 20 Prozent). Aufgrund der weiten Verbreitung digitaler Bezahlmethoden überrascht es kaum, dass sich auch die chinesische Zentralbank (PBoC) bereits seit 2014 mit einer eigenen digitalen Währung – einer sogenannten digitalen Zentralbankwährung (CBDC) – beschäftigt. So wurde bereits 2016 ein Forschungsinstitut „for the Development of Digital Currency/Electronic Payment (DC/EP)“ gegründet, das das CBDC-Projekt auf den Namen „DC/EP“ taufte. Zuletzt erreichte das DC/EP-Projekt einen wichtigen Meilenstein: Die Testphase.

Chinas CBDC: Die Testphase hat begonnen

Inzwischen testen zahlreiche chinesische Banken, Telekommunikationsanbieter und E-Commerce-Unternehmen wie Tencent und Alibaba die CBDC. Außerdem werden 50 Prozent der Mobilitätszulage von Mitarbeitern im Staatsdienst über ihre mobile DC/EP Wallet in digitaler Form ausgezahlt. Medienberichten zufolge sollen auch internationale Unternehmen wie McDonald’s, Starbucks und Subway den DC/EP bereits testen. Ein zweiter größerer Testlauf soll während der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking stattfinden.

Wie genau die Testläufe ablaufen und wie der DC/EP letztendlich ausgestaltet werden soll, ist aktuell noch weitestgehend unklar. Die Informationslage des chinesischen CBDC-Projekts ist im Vergleich zu westlichen CBDC-Projekten intransparent. Die veröffentlichten Informationen stammen nur teilweise von der Zentralbank selbst, vielmehr basieren sie auf Medienberichten beziehungsweise Aussagen von Kooperationspartnern.

Ziele des DC/EP-Projekts

Welche Intention verfolgt die PBoC mit dem CBDC-Projekt? Die PBoC möchte durch das DC/EP-Projekt die Digitalisierung in China vorantreiben und reagiert auf die immer geringer werdende Nachfrage nach Bargeld. Durch eine digitale Zahlungsabwicklung lassen sich erhebliche Effizienzgewinne realisieren. Bargeld ist unter anderem aufgrund der Kosten für Lagerung, Sortierung, Reinigung und Verteilung relativ teuer. Ein öffentliches digitales Zahlungssystem könnte diese Kosten erheblich reduzieren. Auch COVID-19 dürfte zu einer zukünftig noch größeren Nachfrage nach digitalen Bezahlmöglichkeiten beitragen, da Virus-Ansteckungen durch Banknoten befürchtet werden.

Aktuell wird in China der Großteil der Transaktionen über private Zahlungssysteme wie Alipay und WeChat Pay abgewickelt. Die PBoC möchte nun eine öffentliche Transaktionsplattform schaffen, um die systemische Relevanz dieser Unternehmen zu verringern und somit sowohl die eigene Vormachtstellung als auch die finanzielle Stabilität zu stärken.

Kritik: Kapitalverkehrskontrollen und unzureichender Datenschutz

Experten befürchten, dass die CBDC die Freiheit chinesischer Bürger weiter einschränken wird. Zum einen lassen sich durch eine digitale Zentralbankwährung Kapitalverkehrskontrollen deutlich effektiver umsetzen. Wird Kapital in Form von Banknoten außer Landes gebracht, hat die Regierung und die Zentralbank darauf nur einen beschränkten Einfluss. In einer digitalen Welt sind Kapitalverkehrskontrollen deutlich wirkungsvoller, da die Zentralbank alle Transaktionsinformationen digital einsehen kann. Folglich kann die PBoC selbst entscheiden, welche Transaktionen durchgeführt werden dürfen. Auf diese Art und Weise lassen sich Kapitalflüsse effizient kontrollieren. Allerdings ist es laut Auskunft der PBoC auch Ziel des DC/EP die Internationalisierung des Yuan voranzutreiben. Aktuell ist noch unklar, wie die PBoC Kapitalverkehrskontrollen und Internationalisierung des Yuan in Einklang bringen möchte.

Zum anderen ist zu erwarten, dass die Privatsphäre der chinesischen Bürger weiter eingeschränkt wird. Vermutlich werden Daten zur Transaktionshöhe, -ort, -partner neben persönlichen Daten wie die eigene Identität für die Zentralbank einsehbar sein und somit in der Datenbank gespeichert werden. Auf diese Art und Weise würde die chinesische Zentralbank nun auch Einblicke in das Bezahlverhalten der chinesischen Bürger erhalten.

China als weltweiter CBDC-Vorreiter

Die Projektfortschritte des DC/EP zeigen, dass China aktuell im Bereich CBDC weltweit führend ist – auch wenn eine Markteinführung der CBDC noch bis mindestens 2022 dauern wird. Zwar gibt es kleinere Länder oder Inselgruppen, wie die Marshall Islands oder die Bahamas, die auch bereits an einer digitalen Zentralbankwährung arbeiten und im Projektstadium ähnlich weit fortgeschritten sind. Allerdings adressieren diese CBDC-Initiativen primär die Tausenden Inselbewohner während DC/EP Milliarden Chinesen zur Verfügung stehen würde.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) beschäftigt sich intensiv mit einer CBDC für die Eurozone. Allerdings handelt es sich hier bislang eher um konzeptionelle Arbeiten. Eine CBDC-Einführung in der Eurozone ist laut EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch derzeit aufgrund der weiterhin starken Rolle des Bargelds in weiter Ferne.

Über den Autor

Jonas Groß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth und Projektmanager am Frankfurt School Blockchain Center. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören primär digitale Zentralbankwährungen (CBDC) und Stablecoin-Projekte wie Libra. Du kannst Jonas per Mail, LinkedIn und Twitter kontaktieren.

CBDC: Digitale Zentralbankwährungen – der Stand der Dinge

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Digitale Zentralbankwährungen – CBDCs – sind spätestens seit dem chinesischen Mammutprojekt des digitalen Yuan in aller Munde. Wir haben Euch den Stand der Dinge zusammengefasst.

Wer einen Blick auf das Tagesgeschehen in Politik und Wirtschaft wirft, der weiß es längst: Alle paar Jahre steht eine neue Innovation vor der Tür, legt einen kurzen Höhenflug hin und verschwindet dann wieder. Seltener tritt hingegen ein wirklicher Game-Changer auf den Plan, der Denk- und Handlungsweisen nachhaltig ändert. Dies gilt auch für den Krypto-Space. Als Antwort auf den Massenzulauf und das regelrechte Hype-Moment gegenüber Bitcoin & Co. basteln weltweit zahlreiche Zentralbanken an verschiedensten staatlichen Lösungen, um die vermeintliche Digitalrevolution des Geldes in kontrollierte Bahnen zu lenken. Manch einer will das Erfolgsrezept hierfür bereits gefunden haben: Digitale Zentralbankwährungen (Central bank digital currency, kurz: CBDC).

Seit nun geraumer Zeit geistert diese, dem anarchischen Grundgedanken des Bitcoin ferne Idee, durch Absichtserklärungen, Machbarkeitsstudien und Reports öffentlicher Behörden. Dabei bestätigen erste Erfolgsmeldungen, was Krypto-Enthusiasten bereits länger prophezeien: Bargeld hat allmählich ausgedient. CBDCs wiederum scheinen gekommen um zu bleiben und könnten sich als solcher Game-Changer entpuppen.

CBDC: Der Stand der Dinge

Erste Vorstöße, die die mögliche Einführung einer digitalen Alternative zur eigenen Nationalwährung ins Spiel bringen, reichen bereits mehrere Jahre zurück. 2017 etwa ließen sowohl die Bank of England, als auch die Notenbank des südamerikanischen Uruguay verlauten, die Möglichkeiten eigener staatlicher Digitalalternativen zu prüfen.

Seitdem hat sich in der CBDC-Entwicklung Einiges getan. Nicht nur die ukrainischen Geldhüter wollen ihre eigenen Digitalwährung, die E-Hryvnia, bereits getestet haben. Auch bei den russischen Nachbarn war zeitweise ein digitaler Krypto-Rubel im Gespräch.

Für ein regelrechtes Erdbeben sorgten jedoch im vergangenen Jahr die chinesischen Währungshüter der Notenbank PBoC. Angesichts der sich verdichtenden Währungspläne von Facebook verkündete die Volksrepublik im Sommer, selbst auf schnellstem Wege eine Digitalwährung, den digitalen Yuan, einführen zu wollen – der Startschuss für ein weltweites Umdenken bei Zentralbanken.

China und das Erdbeben des E-Yuan

Für die Pekinger Führung ist das noch ungetaufte Währungsprojekt von höchster Priorität. Digitale Zahlungen per Smartphone sind im Reich der Mitte bereits allgegenwärtig. Mithilfe des digitalen Yuan wollen die Regierungskader jedoch einen Schritt nach vor schaffen, Geldwäsche, Glücksspiel und Terrorismusfinanzierung in die Vergangenheit verbannen und dabei nicht zuletzt die eigenen Bürger durchleuchten.

Trotz der anhaltenden Corona-Pandemie, die die chinesische Wirtschaft weiter lahmlegt, basteln die Notenbanker eifrig an ihrer ganz eigenen Bitcoin-Version, die sich seit Ende März offiziell im Testlauf befindet. Medienberichten zufolge wird der digitale Yuan nun bereits in vier Städten eingesetzt. Ebenso sollen Angestellte des chinesischen Führungsapparates Teile ihres Gehalts über eine entsprechende App digital erhalten. Langfristig soll das Projekt aller Voraussicht nach an die großen Multifunktionsdienste Alipay und WeChat angedockt werden.

Wann dies soweit ist und die CBDC offiziell Premiere feiert, lässt die chinesische Führung derweil weiter offen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua zitiert hierzu zuletzt einen Zentralbankgouverneur, demnach bislang kein entsprechender Zeitplan vorlege. Nikkei Asian Review wiederum berichtet von geplanten Testläufen zu den olympischen Spielen 2022 in Peking.

Die Welt zieht nach

Rund um den Globus fällt das Echo auf die chinesischen Vorstöße derweil zumeist besorgt aus. Eine chinesische Führung im Digitalbereich, die auf Kontrolle und Überwachung setzt, will man hier nicht gewähren lassen. Vor allem kritische Stimmen in den USA wähnen sich dieser Tage von einer Stimmung befangen, die an die Tage des kalten Krieges erinnert. Konkrete Vorschläge eines digitalen Dollars fallen hier bisweilen jedoch unter den Tisch.

Gleichzeitig zieht indes manch ein Staat nach. Südkorea etwa verkündete im April, bis Ende 2021 eine eigene CBDC testen zu wollen. Ähnlich schallt es auch aus den Hallen der Bank of Canada, der japanischen Notenbank oder auch von Seiten des Zwergstaats Mauritius. Auch hier will man sich auf die zukünftige Herausgabe einer eigenen Digitalwährung vorbereiten, sollte die Verwendung von Bargeld weiter zurückgehen und Bezahlalternativen weltweit an Gewicht gewinnen.

Einen Schritt weiter sind dabei die Bahamas. Seit diesem Jahr testet die Regierung auf breiten Teilen der Inselgruppe den sogenannten „Sand Dollar“.

EZB und Bundesbank – Warten auf den E-Euro

In Europa scheint die Stimmung bisweilen weiter zwiegespalten. Erste Testläufe zum häufig geforderten E-Euro sind hier bereits gelaufen – vor allem Frankreich und die Niederlande stellen sich dabei als Wegbereiter auf und wollen entsprechende Anstrengungen in der Eurozone vorantreiben.

Führende EZB-Vertreter wie Yves Mersch betonten jedoch zuletzt, erst einmal abwarten zu wollen. Sie sehen bei der Entwicklung eines digitalen Euros derzeit keinerlei Eile geboten. Er betont, derzeit erfreue sich Bargeld in der Europäischen Union weiter großer Beliebtheit. Vorerst gelte es ohnehin regulatorische Bedenken auszuräumen. EZB-Rat Vitas Vasiliauskas wiederum unterstrich zuletzt, der E-Euro würde, wenn überhaupt, zunächst nur für den institutionellen Verkehr diskutiert – nicht für die breite Bevölkerung.

Gleiches zeigt sich auch hierzulande. Im Januar verkündete Bundesbank-Chef Jens Weidmann zwar einerseits, seine Behörde erforsche die Chancen und Risiken digitaler Zentralbankwährungen. Von einer Bundesbank-CBDC sei Deutschland jedoch noch weit entfernt. Zunächst wäre weitere Zusammenarbeit, etwa im Rahmen der G20, von Nöten, um Regulierungslücken zu schließen. Den Druck aus China scheint man hier noch nicht zu spüren.

Die Zukunft des Geldes ist Digital – und ohne den Staat nicht zu machen

Ob sich das CBDC-Konzept durchsetzt, private Anbieter wie Libra das Rennen machen oder am Ende doch eine gemeinsame, internationale Anstrengung das Geld der Zukunft entwirft – das Rennen zwischen Bar- und Digitalgeld werden langfristig letztere Initiativen für sich entscheiden. Dabei werden Staaten, Zentralbanken und Behören jedoch alles daransetzen, das Heft des Handels, das Geldmonopol und die eigene Kontrolle nicht aus der Hand zu geben. Von digitalen Zentralbankwährungen werden wir daher auch die nächsten Jahre länger etwas haben. Ob darin Blockchain-Technologien und damit der Funke hinter diesem weltweiten Trend enthalten bleiben, steht auf einem anderen Blatt.

Nimmersatt – Grayscale hat 150 Prozent der seit dem Halving geminten Bitcoin aufgekauft

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Die Krypto-Vermögensverwaltung Grayscale Investments kauft momentan ungefähr 150 % aller neu produzierten Bitcoin seit dem Halving vom 11. Mai auf.

Laut Daten des Krypto-Marktforschers Kevin Rooke hat Grayscale seit dem Halving 18.910 BTC für den eigenen Bitcoin-Fonds aufgekauft. Dies ist umso interessanter, da seit dem 11. Mai erst 12.337 BTC gemint wurden.

Changpeng Zhao, der Geschäftsführer der führenden Kryptobörse Binance, kommentierte das Diagramm von Rooke mit einem Verweis auf die Knappheit von Bitcoin: „Die Umlaufmenge ist selbst für einen Player zu klein.“

Grayscale vereinnahmt Bitcoin

Letzte Woche hatte Rooke bereits geschätzt, dass Grayscale im gesamten ersten Quartal 2020 ungefähr 33 % aller neuen Bitcoin aufgekauft hat, da der Krytpo-Fonds 60.762 BTC in etwas mehr als den letzten 100 Tagen akkumuliert hat.

Zudem verzeichnet Grayscale im ersten Quartal 29,9 Mio. US-Dollar an Kapitalzufluss in die eigenen Krypto-Fonds, was einem Anstieg von 800 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Als Antwort auf den betreffenden Tweet von Rooke schrieb Grayscale Gründer Barry Silbert: „Warte erstmal, bis du die Zahlen aus dem zweiten Quartal siehst.“

Wie Rooke schätzt, kauft Grayscale momentan doppelt so viel Bitcoin pro Tag wie zuvor. So sind es nach dem Halving durchschnittlich 1112,35 BTC, während es im Q1 noch 607,62 BTC pro Tag waren.

Grayscale sieht in CBDCs eine Chance für Bitcoin

Grayscale selbst hat jüngst einen Bericht veröffentlicht, in dem sie eine Gleichmachung von Zentralbank-Digitalwährungen (CBDC) und Kryptowährungen wie Bitcoin zurückweist.

„Zentralbank-Digitalwährungen werden oftmals als mit Digitalwährungen wie Bitcoin gleichgesetzt, allerdings weichen sie deutlich von der dezentralisierten Gestaltung ab, die den meisten Kryptowährunge innewohnt“, wie es in diesem Zusammenhang im Bericht heißt.

„Zentralbank-Digitalwährungen woll eine Verbesserung der bestehenden Zahlungsinfrastruktur sein, während Bitcoin versucht, Geld grundlegend neu zu definieren. Wenn die Zentralbank-Digitalwährungen erfolgreich sind, werden sie das Verkaufsargument für Bitcoin und andere Digitalwährungen vielmehr stützen“, wie Grayscale deshalb schlussfolgert.

Damit schlägt der Bericht in dieselbe Kerbe wie der Ökonom John Vaz, der zuletzt gegenüber Cointelegraph meinte, dass Zentralbank-Digitalwährungen „eine Art Gegenschlag der Zentralbanken sind, weil sie Kryptowährungen nicht mögen“.

„Bei Zentralbank-Digitalwährungen geht es wahrscheinlich mehr darum, Geldströme nachverfolgbar zu machen, anstatt einen wirklichen Mehrwert zu schaffen“, so Vaz.

Chinas Zentralbank bestätigt – Noch „kein genauer Zeitplan“ für Einführung des digitalen Yuans

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Die People’s Bank of China (PBoC), also die chinesische Zentralbank, hat klargestellt, dass es noch „keinen genauen Zeitplan“ für die Einführung des digitalen Yuans gibt.

In einem Interview auf der eigenen Webseite wurde Zentralbank-Chef Yi Gang gefragt, wann mit der Einführung der chinesischen Digitalwährung zu rechnen sei, woraufhin er antwortete:

„Die momentanen Tests sind reine Routinemaßnahmen im Rahmen von Forschung und Entwicklung der Digitalwährung. Bisher gibt es keinen genauen Zeitplan für eine Einführung.

Die Tests auf die Gang anspielt wurden in den Städten Shenzhen, Suzhou, Xiongan, Chengdu und den Austragungsorten der Olympischen Winterspiele 2022 durchgeführt.

Kurze Zeit nach Veröffentlichung des Interviews hat die Global Times, ein staatlich kontrolliertes Nachrichtenportal, einen Artikel verfasst, in dem es wiederum heißt, dass China die Einführung ihrer Zentralbank-Digitalwährung in großen Schritten vorantreiben will, um die Vormachtstellung der USA aufzuweichen und die Abwicklung von finanziellen Hilfen nach der Corona-Krise zu bewerkstelligen.

Der Artikel der Global Times zitiert in diesem Zusammenhang Cao Yin, Mitgründer des Blockchain-Unternehmens Digital Renaissance:

„Obwohl die USA chinesische Finanzinstitute noch nicht auf ihre Schwarze Liste gesetzt hat, stellt die USA weiterhin eine große Bedrohung für Chinas Finanzinstitute und die Stellung des Yuans im internationalen Zahlungsverkehr dar. Aus diesem Grund könnte die Zentralbank-Digitalwährung früher herausgebracht werden als erwartet.“

Darüber hinaus würde die Digitalwährung der chinesischen Regierung helfen, sicherzustellen, dass Corona-Hilfszahlungen auch wirklich bei bedürftigen Personen und Firmen ankommen. Im Rahmen der Hilfsmaßnahmen zur Stärkung der eigenen Wirtschaft will China zudem die Staatsverschuldung anheben und bedeutsame Steuererleichterungen für Unternehmen gewähren.

Digitaler Yuan schon seit 2019 im Gespräch

Schon 2019 hieß es, dass der Digitale Yuan vorangetrieben werden sollte, um eine Antwort auf die geplante Facebook Kryptowährung Libra zu geben. Damals bestätigten offizielle Quellen bereits, dass Chinas Digitalwährung kurz vor ihrer Einführung stehen würde.

Wie Cointelegraph berichtet hatte, füllen Betrüger in der Zwischenzeit das vorhanende Vakuum, indem sie vorgeben, dass es sich bei ihren Fake-Kryptos um die chinesische Digitalwährung handelt.

Donald Trump gegen China: Der digitale, kalte Währungskrieg

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Donald Trump lässt kaum gute Haare an China. Der chinesische Außenminister warnt vor einem kalten Krieg. Doch auf digitalem Boden ist dieser längst im Gange.

Wang Yi, der chinesische Außenminister hat jüngst die US-Regierung um Donald Trump kritisiert. Wie die Tagesschau am 24. Mai berichtet, warnte Wang Yi in diesem Zusammenhang vor einem kalten Krieg.

In den USA, so Wang weiter, würden zu viele Lügen und Verschwörungen fabriziert, was nicht zuletzt auf die US-Regierung zurückgehe. Gerade die Trump-Rhetorik, die in Bezug auf die Ursprünge für die Corona-Pandemie immer wieder auf China verweise, gefährde die Beziehung beider Länder.

Dass Donald Trump diese Beziehung gefährdet, ist indes kaum von der Hand zu weisen. So bezeichnete der US-Präsident Corona wiederholt als „China-Virus“ und drohte in öffentlichen Diskussionen mit der Verschärfung der Strafzölle.

Das Verhältnis zwischen Trump und der Volksrepublik ist also angespannt – und die Lage könnte sich noch weiter zuspitzen.

China und der digitale Yuan: Sprengstoff im ökonomischen Kräftemessen

So arbeitet die Kommunistische Partei bereits seit fünf Jahren an einer digitalen Ausgabe der chinesischen Staatswährung. Als digitales Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currency, CBDC) soll der E-Yuan zum Einen den inländischen Geldverkehr effizienter gestalten. Zum anderen, und das scheint bisweilen stärker ins Gewicht zu fallen, soll er die Vormachtstellung des US-Dollars angreifen. Regierungsnahe Wissenschaftler erläuterten jüngst den Zweck der digitalen Währung; so sei diese auch als ein Gegenentwurf zum geplanten Facebook-Coin Libra zu verstehen:

China wird bald das erste Land der Welt sein, das eine legale digitale Zentralbankwährung herausgibt. […] Im April 2020 veröffentlichte der US-amerikanische Technologieriese Facebook die nichtstaatliche digitale Währung Libra. […] Das Projekt ist ein digitales Äquivalent zum US-Dollar und die globale Zahlungsstrategie der US-Regierung. Sie ist ein hervorragendes Beispiel für die Zusammenarbeit von privatem und öffentlichen [Sektor]. Doch [Chinas CBDC] kann […] sogar zur künftigen Weltwährung werden, die Währungssouveränität von Ländern mit unvollständiger Finanzmarktinfrastruktur in Frage stellen [und] die Dollar-Hegemonie weiter konsolidieren […]. Die Internationalisierung stellt zweifellos die nationale Währungssouveränität und das Zahlungs- und Clearingsystem Chinas vor große Herausforderungen.

Yang Dong

Gemeinsam mit dem Zahlungsdienstleister Alipay läuft die Entwicklung der digitalen Staatswährung indes auf Hochtouren. Bereits seit Mitte April bekommen Regierungsbeamte im Bezirk Xiangcheng einen Teil ihrer Gehälter in Form der CBDC ausgezahlt.

Der kalte Währungskrieg, so mag man meinen, ist in vollem Gange. So heißt es zum E-Yuan weiter:

Effektive Gegenangriffe haben das Potenzial, das traditionelle kapitalistische Beteiligungssystem und die Währungsform zu untergraben und Veränderungen in der Produktionsbeziehung herbeizuführen, die dem Ideal des Kommunismus und der Gemeinschaft des menschlichen Schicksals entsprechen.

Yang Dong

US-Dollar-Hegemonie in Gefahr?

Für Donald Trump ist die Sache demgegenüber eindeutig: Den US-Dollar bezeichnete er durch wiederholte Tweets im vergangenen Jahr als unanfechtbare Weltwährung – gegen die vor allem digitale Währungen wie Bitcoin keine Chance hätten.

Dennoch könnte die Vormachtstellung durch die Zentralbankwährung aus China durch die aktuellen Entwicklungen bedroht werden. JPMorgan betont etwa in einer aktuellen Studie, die dem US-Wirtschaftsmedium Bloomberg vorliegt:

Es gibt kein Land, das durch das disruptive Potenzial einer digitalen Währung mehr zu verlieren hat als die Vereinigten Staaten. Dies betrifft vor allem die Hegemonie des US-Dollars.

JP Morgan Chase in einer aktuellen Studie.

Gerade in Bereichen wie der Handelsabwicklung zwischen Banken oder dem SWIFT-System könne der Einsatz von CBDCs Vorteile bringen, denen man sich auch von US-Seite nicht verschließen solle. Vielmehr sei es für die US-Regierung um Trump nun an der Zeit zu handeln:

Eine grenzüberschreitende Zahlungslösung, die auf einem digitalen Dollar aufbaut würde, vor allem wenn es minimal disruptiv zum vorhandenen Finanzsystem konzipiert würde, eine sehr moderate Investition sein, um die wichtigen Machtelemente im Finanzsystem zu bewahren. Für Länder mit einem hohen Einkommen und vor allem die Vereinigten Staaten sind digitale Währungen eine Übung im geopolitischen Risikomanagement,

schließt der Bericht der US-Bank.

China und die gläsernen BürgerInnen

In China selbst hat die Einführung einer digitalen Staatswährung jedoch noch weitere Implikationen als das Kräftemessen mit Trump und den USA. Durch die Einführung des digitalen Yuans, so hieß es zur Konzeption von offizieller Seite, werde eine bessere Überwachung der Zahlungsströme – vorrangig zur Verhinderung von Geldwäsche – möglich.

Das Land, indem 80 Prozent der Smartphone-NutzerInnen ihre Zahlungen per Wischbewegung tätigen, baut sich mit der CBDC auch ein digitales Guckloch in die Taschen der BürgerInnen. Denn nach letzten Informationen könnte die Chinas digitale Zentralbankwährung auf die Basis einer Blockchain gebaut werden. Mit dieser würde die lückenlose Nachverfolgung von Zahlungen möglich.

Um eine Vormachtstellung des Überwachungsstaates in Währungsbereichen liegt es nun nicht nur an den USA, die Bemühungen in der Digitalisierung des Zahlungsverkehr zu verstärken. Auch die Europäische Union hat hier noch Aufholbedarf.

Die französische Zentralbank testet den Blockchain-basierten digitalen Euro

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Die französische Zentralbank – Banque de France – hat in Zusammenarbeit mit dem Investmentbanking-Riesen „Societe Generale“ den Blockchain-basierten digitalen Euro „erfolgreich“ getestet.

Dabei hatte Societe Generale Anleihen im Wert von 40 Mio. € als Sicherheitstoken ausgegeben, die abschliessend in Blockchain-basiertem digitalen Euro der Zentralbank abgerechnet wurden. In den nächsten Wochen sollen weitere Tests mit anderen Partnern stattfinden.

Experiment unter Verwendung von Blockchain-Infrastrukturen

Laut der Investmentbank Societe Generale wurde das Experiment unter Verwendung von Blockchain-Infrastrukturen durchgeführt. Das Experiment zeigt die Machbarkeit der digitalen Abwicklung von Finanztransaktionen sowie Lieferung der Assets in Form von digitalen Währungen der Zentralbank (CBDC), erklärte Societe Generale.

Auch im April 2018 gab die Investmentbank Anleihen im Wert von 100 Mio. € Sicherheitstoken aus, die jedoch im traditionellen Euro abgerechnet wurden. Die jüngste Testtransaktion in digitalem Euro ist jedoch ein neuer Schritt in Richtung dieser innovativen Technologie, mit welchem die Societe Generale ihre Transformation vorantreibt. Die Investmentbank möchte damit ihre Kunden besser bedienen können.

Wichtiger Beitrag der Banque de France zum CBDC

Wie die französische Zentralbank in einem Pressebericht bekanntgab, sind in den nächsten Wochen weitere Experimente mit dem digitalen Euro mit anderen Akteuren geplant. Mit den Ergebnissen dieser Experimente möchte die Zentralbank einen wichtigen Beitrag der Banque de France zum CBDC leisten.

Die Banque de France startete noch im April ihr Experimentierprogramm rund um den digitalen Euro, um das Potenzial der digitalen Währung beim Abwickeln von tokenisierten finanziellen Vermögenswerten zu untersuchen. Aktuell konzentriere sich die Bank jedoch nur auf CBDC-Anwendungsfälle im Grosshandel, wie der Experiment zeigt. Die Zentralbank erläuterte noch im April, dass sie damit keine Münzen und Banknoten ersetzen möchte.

Laut einer Studie der Blockchain-Firma R3 sind die digitalen Währung für Endverbraucher noch nicht nutzbar. Aktuell entwickelt noch keine Zentralbank eine „Retail“ CBDC für Endverbraucher, sondern die Lösungen sind – wie im Experiment der Banque de France – auf Anwendungsfälle im Grosshandel gerichtet. Zwar forschen einige Zentralbanken bereits an der Umsetzung einer Retail-CBDC, doch diese sei aktuell noch in weiter Ferne, heisst es in der Studie.

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Regulierungs-ECHO: China versus USA – Das Wettrüsten hält an

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Das Wettrüsten zwischen den USA und China geht in die nächste Runde. Während die Volksrepublik Kryptowährungen und Blockchain in dieser Woche mit in ihr offizielles Lehrprogramm für Parteikader aufnimmt, werden in den USA vermehrt Forderungen nach eigenen Blockchain-Initiativen laut. Bei der Entwicklung des E-Euros zeichnen sich derweil erste Lichtblicke ab.

Willkommen zum Regulierungs-ECHO. Das Wichtigste der vergangenen Woche zum Thema Regulierung rund um das Bitcoin-Ökosystem.

Anti-Bitcoin – China will mit CBDC den US-Dollar stürzen

Während rund um den Globus eifrig an digitalen Zentralbankwährungen geforscht wird, macht China Nägel mit Köpfen. Dass der digitale Yuan für das Reich der Mittel dabei alles andere als ein unbedeutsames Randexperiment ist, bezeugt die Volksrepublik in dieser Woche um ein Weiteres. In einer am 19. Mai herausgegebenen Erklärung unterstreicht die Kommunistische Partei, dass sie sich mit ihrer CBDC in direkte Konkurrenz zum Facebook Coin Libra stelle – ein deutlicher Hinweis auf die Expansionspläne im ökonomischen Kräftemessen mit den USA. Seit dieser Woche zählen Blockchain und Kryptowährungen zudem zum offiziellen Lehrprogramm an den chinesischen Kaderschulen.

US-Abgeordneter fordert Blockchain-Strategie

Auf der anderen Seite des großen Teiches sieht man solche Entwicklungen mit großer Sorge. Angesichts des chinesischen Vorpreschens mahnt der republikanische Kongressabgeordnete Brett Guthrie in einer Presseerklärung:

Wir dürfen uns nicht von China abhängen lassen […] Die USA sind eine Nation von Innovation und Unternehmen – und das müssen wir bewahren.

Mit einem Gesetzesentwurf will er die US-Handelsbehörde FTC dazu veranlassen, unter anderem die Möglichkeiten staatlicher Blockchain–Anwendung zu erforschen und dabei ein entsprechendes Empfehlungspaket für den Kongress zu erarbeiten. Dieses käme einer öffentlichen Blockchain-Strategie für die USA gleich.

Denkfabrik mahnt US-Verteidigungsministerium

Günstiges Fahrwasser für seine Initiative dürfte Guthrie dabei von der Value Technology Foundation erhalten, an der zahlreiche Unternehmen wie IBM, Accenture und Deloitte beteiligt sind. In einer Erklärung warnt die Denkfabrik in dieser Woche das US-Verteidigungsministerium, in puncto Blockchain-Anwendungen nicht hinter China und Russland zurückzufallen. In einem Paper warnt der Think-Tank:

Die beiden Supermächte, die die größte Bedrohung für die USA darstellen, investieren beide stark in die Forschung und Entwicklung der Blockchain-Technologie.

Von militärischer Warte böten Distributed-Ledger-Technologien den USA neben den Bereichen der Satellitenkommunikation, Waffensteuerung oder Cybersicherheit zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten. Diese gelte es zu nutzen.  

Brasilien veröffentlicht Digitalstrategie

Auf der Südhälfte des amerikanischen Kontinents könnte die Blockchain derweil schon bald im öffentlichen Sektor ankommen. In dieser Woche veröffentlichte die brasilianische Regierung ihre Digitalstrategie. In dieser ist unter anderem von der Einrichtung einer digitalen Plattform für öffentliche Dienstleistungen sowie der Zusammenlegung staatlicher Datenbanken und digitalen Ausweispapieren die Rede. Um die Potentiale von Blockchain-Technologien wird die Regierung bei der Umsetzung dieser Ziele nicht herumkommen.

CBDC im Anflug? Frankreich schließt erste Tests zum E-Euro ab

Auch in Europa scheint sich die bislang anhaltende Blockchain-Starre langsam zu lösen. Wie die Banque de France nun mitteilte, wurden erste Tests mit dem digitalen E-Euro erfolgreich abgeschlossen. Damit tut sich Frankreich bei der Entwicklung einer solchen digitalen Bezahlalternative in der Eurozone als Taktgeber hervor.

Mit Details hält sich die Bank jedoch bislang bedeckt. Der knappen Mitteilung lässt sich zunächst nur entnehmen, dass der getestete virtuelle Euro für die Anwendung im Interbankenhandel konzipiert sei. Ob und wann der E-Euro überhaupt die digitalen Geldbörsen der EU-Bürger erreicht, ist derzeit kaum abzusehen. Zunächst einmal seien weitere Testreihen geplant.

CBDC im Anflug: Frankreich schließt erste Tests zum E-Euro ab

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In der Entwicklung eines digitalen Euros tut sich vor allem Frankreich als Taktgeber in der Eurozone hervor. Wie die Banque de France nun mitteilte, seien Tests mit dem E-Euro bereits erfolgreich abgeschlossen worden. Steht der E-Euro also bald in den Startlöchern?

Die Banque de France ist der Entwicklung eines digitalen Euro ein gutes Stück näher gekommen. Wie die Französische Zentralbank in einer schriftlichen Mitteilung bekannt gab, seien erste Tests mit dem E-Euro erfolgreich verlaufen.

Die Bank erklärte, dass Wertpapierabwicklungen mit dem E-Euro am 14. Mai unter Verwendung der Blockchain-Technologie durchgeführt wurden. Nachdem die Bank Ende März eine Reihe von etwaigen Tests angekündigt hatte, wurde mit der ersten E-Euro-Transaktion auf einer Blockchain nun ein richtungsweisender Etappensieg errungen.

Mit Details hält sich die Bank jedoch bislang bedeckt. Der knappen Mitteilung lässt sich weiter entnehmen, dass der virtuelle Euro im Rahmen des Pilotprogramms zunächst für die Anwendung im Interbankenhandel konzipiert sei. Eine digitale Zentralbankwährung (Central bank digital currency, kurz: CBDC) wäre somit zunächst dem Großhandel und Banken sowie institutionellen Akteuren vorbehalten. Der Erklärung lässt sich weiter entnehmen, dass die Bank eine Reihe von Tests mit Finanzinstituten und Unternehmen folgen lassen will.

Für welchen Zeitraum die Entwicklung angesetzt ist, ist jedoch bislang offen. Ebenfalls ist noch unklar, ob die CBDC in dieser Form überhaupt den Endverbraucher erreicht. Wie die Bank in einer früheren Mitteilung bekannt gab, sei der E-Euro zunächst ausschließlich für den Interbanken-Verkehr im Clearing und der Abwicklung von tokenisierten Assets vorgesehen.

CBDC-Wettlauf der Zentralbanken

Dass sich die Banque de France mit Informationen aktuell noch bedeckt hält, ist der Bedeutung und Tragweite des E-Euro geschuldet. Die Währung ist ein Prestigeprojekt mit außenpolitischer Signalwirkung – ein Scheitern kann sich die Bank auf internationaler Bühne nicht erlauben. Daher werden auch nur schrittweise Teile der Roadmap veröffentlicht. Trotz der Strahlkraft des Projekts betont die Bank den aktuellen Sandbox-Status der digitalen Zentralbankwährung.

Zudem möchte sich die Bank wohl auch mit Blick auf Chinas rasches Voranschreiten bei der Entwicklung einer CBDC nicht in die Karten schauen lassen. Während Diskussionen und Konzepte rund um einen E-Euro bereits seit längerem unberührt auf dem Tisch liegen, lässt China Worten Taten folgen. So befindet sich der digitale Renminbi bereits bei ausgewählten Regierungsbeamten in der Region Xiangcheng in Suzhou im Umlauf.

Eine landesweite Einführung der CBDC könnte außerdem schon im kommenden Jahr zu den olympischen Winterspielen 2022 erfolgen. Im Bezug auf die Abwicklung von Transaktionen hat Zahlungsdienstleister Alipay bereits Patente angemeldet. Nicht zuletzt durch die Einführung des Blockchain-based Service Network (BSN), Chinas staatseigenem Blockchain-Netzwerk, stellt das Reich der Mitte die Weichen für den digitalisierten Zahlungsverkehr.

Anti-Bitcoin (BTC): China will mit Zentralbankgeld den US-Dollar stürzen

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Die Regierung in China hat eine Informationsinitiative zu Bitcoin, Blockchain & Co. gestartet. Mit ihrer digitalen Zentralbankwährung (Central Bank Digital Currency, CBDC) geht sie entschlossen gegen den Facebook-Coin Libra vor.

Die geplante und aktuell im Testlauf befindliche CBDC der Volksrepublik China ist in jeder Hinsicht der Gegenentwurf zu Bitcoin (BTC). Konzipiert als zentral gesteuertes Währungsmittel, das unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei gute Möglichkeiten zur Überwachung der Geldströme bietet, steht es Bitcoin diametral gegenüber. Schließlich ist Bitcoin dezentral konzipiert und baut auf einem Peer-to-Peer-Netzwerk auf. Die Kontrolle liegt bei den NutzerInnen, die Steuerung erfolgt über die Blockchain.

China entwickelt Anti-Bitcoin mit politischem Sprengstoff

Was sich Bitcoin und der digitale Renminbi jedoch teilen, ist die Fähigkeit, wirtschaftspolitischen Sprengstoff zu produzieren. Denn die Regierung in China plant nichts geringeres, als sich die Vormachtstellung im ökonomischen Kräftemessen zu erkämpfen.

Anti-Libra, Anti-USA

In einem am 19. Mai herausgegebenen Erklärung zu einem Buch über Bitcoin, Blockchain und digitale Währungen erklärt die Kommunistische Partei zudem, dass sie sich mit ihrer CBDC in direkte Konkurrenz zum Facebook Coin Libra stelle.

Dort heißt es über die geplante Digitalwährung, die das Land in Zusammenarbeit mit dem Zahlungsdienstleister Alipay entwerfen will:

China wird bald das erste Land der Welt sein, das eine legale digitale Zentralbankwährung herausgibt. […] Im April 2020 veröffentlichte der US-amerikanische Technologieriese Facebook die nichtstaatliche digitale Währung Libra. […] Das Projekt ist ein digitales Äquivalent zum US-Dollar und die globale Zahlungsstrategie der US-Regierung. Sie ist ein hervorragendes Beispiel für die Zusammenarbeit von privatem und öffentlichen [Sektor]. Doch Alipay kann Libra nicht nur besiegen, um das globale Zahlungssystem umzustrukturieren und die Digitalisierung und Integration globaler Finanzdienstleistungen zu vertiefen, sondern sogar zur künftigen Weltwährung werden, die Währungssouveränität von Ländern mit unvollständiger Finanzmarktinfrastruktur in Frage stellen [und] die Dollar-Hegemonie weiter konsolidieren […]. Die Internationalisierung stellt zweifellos die nationale Währungssouveränität und das Zahlungs- und Clearingsystem Chinas vor große Herausforderungen.

Yang Dong

Abgesehen von den massiven Fehlinformationen (Facebook hat Libra bisher nicht veröffentlicht, daher sind auch die gezogenen Schlussfolgerungen im Zitat daraus falsch), sagt China den Vereinigten Staaten hier klar den Kampf an. Die digitale Zentralbankwährung soll die Vormachtstellung des US-Dollars stürzen.

Mit dem Anti-Bitcoin für den Kommunismus

Im weiteren Verlauf des Dokuments werden zudem Details zur geplanten Währung bekannt. So heißt es, dass man bereits mit einem Blockchain-Voting-System Fortschritte gemacht habe, um dahingehend digitale Abstimmungsprozesse voranzutreiben. Damit sei ein kostengünstiges Finanzmodell möglich geworden, um die „Internationalisierung des Renminbis und der Hegemonie gegenüber dem US-Dollar“ zu stärken.

Man kann aus diesen Aussagen also mit aller Vorsicht folgern, dass bei der CBDC aus dem Hause China der Proof-of-Stake-Konsens zum Einsatz kommt – näheres ist jedoch nicht bekannt. Schließlich, so geht es auch aus dem Dokument hervor, würden aktuell noch verschiedene Möglichkeiten zur Umsetzung getestet. Die Zielsetzung dieses Anti-Bitcoin ist umso deutlicher formuliert:

Effektive Gegenangriffe haben das Potenzial, das traditionelle kapitalistische Beteiligungssystem und die Währungsform zu untergraben und Veränderungen in der Produktionsbeziehung herbeizuführen, die dem Ideal des Kommunismus und der Gemeinschaft des menschlichen Schicksals entsprechen.

Dass es sich bei solchen Aussagen um polemisierende Parteipropaganda handelt, dürfte außer Frage stehen. Dennoch ist die politische Sprengkraft des geplanten chinesischen Anti-Bitcoin nicht zu unterschätzen.

Schließlich befindet sich das Land in der Blockchain-Forschung und der Entwicklung von digitalen Währungskonzepten im internationalen Wettbewerb recht weit vorne. So hat die Regierung in China bereits Mitte April mit den ersten Testläufen zum Anti-Bitcoin begonnen. Dass das Land damit die Privatsphäre der Bürger weiter aushöhlt, erscheint beinahe als Nebeneffekt zur wirtschaftspolitischen Sprengkraft zu sein.

Digitales Europa – Abkehr vom Bargeld rückt näher

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Seit Frühjahr 2020 ist klar, dass uns eine rasante Zukunft bevorsteht. Der viel beschworene digitale Wandel wurde durch das Coronavirus massiv befeuert, da technologische Lösungen in vielen Feldern von jetzt auf gleich an Wichtigkeit gewonnen haben. Das Finanzwesen ist dabei eine der ersten Branchen, die sich darauf einlässt. So gewinnt die Umstellung von Bargeld auf kontaktloses Zahlen mittlerweile selbst in konservativen europäischen Ländern immer mehr an Boden, wodurch auch Kryptowährungen, allen voran die sogenannten Stablecoins, vermehrt in den Fokus rücken. Nicht nur Bargeld als möglicher Übertragungsweg für das Virus, sondern auch die inflationäre Geldpolitik im Zuge der Wirtschaftskrise wirken unweigerlich als Katalysator für die Marktreife von Kryptowährungen.

Bargeld verliert an Einfluss

Münzen und Geldscheine könnten dementsprechend schon bald ein Relikt vergangener Tage werden. Nicht nur, dass sie in der Post-Corona-Welt technologisch überholt und altbacken scheinen würden, zudem wären sie weiterhin eine Gefahrenquelle, da nicht klar ist, wann die Corona-Pandemie wirklich vorüber ist. Dementsprechend ist durchaus realistisch, dass Social-Distancing und andere Vorsichtsmaßnahmen auch auf längere Zeit noch Gültigkeit haben werden.

Im Gegensatz zu den USA und Asien, die Innovationen und neuen Entwicklungen generell offener gegenüberstehen, ist Europa eher traditionell und konservativ eingestellt. Durch die Krise drängt sich der Wandel nun aber geradezu auf, also wenn nicht jetzt, wann dann?

Selbst hier in Deutschland, wo Bargeld essentieller Bestandteil des alltäglichen Lebens ist, haben die Kartenzahlungen im Zuge der Corona-Krise erstmals Bargeldzahlungen übertroffen. Treibende Kraft für diesen Sinneswandel sind allen voran gesundheitliche Bedenken, bei der Nutzung von Bargeld. Diese Annahme wird zusätzlich dadurch unterstrichen, dass mehr als die Hälfte aller Kartenzahlungen in Deutschland inzwischen kontaktlos getätigt werden. Vor der Krise waren es nur knapp 35 % aller Kartenzahlungen. Mittelfristig wird das Bargeld bei uns zwar nicht so schnell verschwinden, jedoch ist mehr und mehr erkennbar, wo die Reise hingeht.    

Unabhängig von der Krise hatte sich in den letzten fünf Jahren ohnehin schon der Wert der Kartenzahlungen stetig gesteigert. Während 2013 in Deutschland noch 4,5 Mrd. Euro mit Karte gezahlt wurden, waren es 2018 immerhin schon 7,8 Mrd. Euro.

Die Technologie-affine jüngere Generation treibt diesen Wandel umso stärker voran, da sie ohne Vorbehalte auch Zahlungen per Smartphone oder Kryptowährung tätigt.

Kryptowährungen und Digitalwährungen als Alternative

Trotz des erfolgreichen deutschen Weges bei der Verlangsamung der Ausbreitung ist die Zahl der Corona-Infektionen inzwischen auf über 170.000 Personen angestiegen, wodurch die Notwendigkeit alternativer Lösungsansätze immer größer wird. Dies gilt aber nicht nur für Deutschland, sondern auch für andere Länder, weshalb Regierungen auf der ganzen Welt vermehrt auf Blockchain-Projekte und die Entwicklung eigener Zentralbank-Digitalwährungen setzen.

Bereits Ende 2019 war deutlich geworden, dass es einen Bedarf für Digitalwährungen gibt, weshalb Regierungen ihre Haltung zu Krypto und Blockchain inzwischen merkbar geändert haben. So sind Digitalwährungen nicht mehr nur eine scheinbare Spielerei für Nerds, sondern eine ernstzunehmende Technologie, die das bestehende Finanzsystem in vielerlei Hinsicht besser machen kann.

Zu dieser Einsicht kommt inzwischen auch die deutsche Politik, die im Dezember 2019 ein Gesetz verabschiedet hat, das vorsieht, dass jedes Unternehmen, das mit Kryptowährungen arbeitet, bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine entsprechende Genehmigung als Krypto-Verwahrer beantragen muss.

Die Welt öffnet sich für den Wandel

In Sachen eigener Zentralbank-Digitalwährung eilt China derweil voraus. So werden im Reich der Mitte bereits erste Testläufe mit einem digitalen Yuan absolviert, an denen sich auch die dortigen Ableger namhafter Firmen wie McDonald’s, KFC und Starbucks beteiligen.

Allerdings ist die Nutzung von Digitalwährungen keine reine Zukunftsmusik, denn vereinzelt kann bereits mit Kryptowährungen wie Bitcoin (BTC) gezahlt werden. Die Fastfoodkette Burger King ist bekannt dafür, als einer der ersten Konzerne Zahlungen in Form von Bitcoin angenommen zu haben. So konnten in den Niederlanden schon im Jahr 2016 die ersten hungrigen Kunden ihre Burger mit der Kryptowährung bezahlen. Wenig später waren auch in Deutschland Bitcoin-Zahlungen über die Webseite und Smartphone-App von Burger King möglich.

Immer mehr Europäer sind überzeugt, dass Digitalwährungen nicht nur eine bloße Modeerscheinung sind. Diese Einschätzung ist durchaus berechtigt, denn Blockchain und Krypto haben das Potenzial, das Finanzsystem grundlegend zu ändern. So können sie nicht nur dafür sorgen, dass Zahlungen für Einzelpersonen und Unternehmen kostengünstiger und effizienter werden, sondern sie können auch Finanzintermediäre in vielen Bereichen überflüssig machen und für einen direkteren Zugang zu Geld sorgen.  

Auch in der Europäischen Union wächst deshalb das Interesse an Zentralbank-Digitalwährungen und Stablecoins, wobei Malta eine Führungsrolle in Sachen Krypto-Gesetzgebung übernommen hat.

Selbst die Europäische Zentralbank (EZB) spielt inzwischen offen mit dem Gedanken eines digitalen Euros. Anfang des Jahres hatte EZB-Chefin Christine Lagarde dementsprechend gesagt, dass ihr Institut eine tragende Rolle bei der Entwicklung einer gemeinsamen europäischen Digitalwährung spielen will, da eine CBDC umso wichtiger ist, wenn „die Nutzung von Bargeld nachlässt“.

Vom Trend zur Realität

Laut einer Umfrage der Kryptobörse BitFlyer sind unter 10.000 Europäern aus 10 verschiedenen Ländern knapp zwei Drittel der Meinung, dass Kryptowährungen nicht wieder von der Bildfläche verschwinden werden.  

Darüber hinaus liegt es ohnehin immer mehr im Trend, Kryptowährungen zu kaufen, weshalb sich viele Krypto-Unternehmen bemühen, den Zugang so leicht wie möglich zu gestalten. So können Kryptowährungen inzwischen auch über Kreditkarten erworben werden.

Die Vorbehalte gegenüber Kryptowährungen werden immer geringer, was durch die momentane Lage nur noch beschleunigt wird. Digitale und kontaktlose Zahlungen gehören schon jetzt zum Alltag und das Potenzial der Blockchain-Technologie, unser Finanzsystem nachhaltig zu revolutionieren, wird zunehmend offensichtlich. 

Die Ansichten und Meinungen in diesem Artikel stammen allein vom Autor und decken sich nicht zwangsläufig mit den Ansichten von Cointelegraph.

Alex Axelrod ist Geschäftsführer und Gründer von Aximetria und Pay Reverse. Alex ist ein erfahrener Unternehmer, der mehr als zehn Jahre lang bei einem der führenden Finanzdienstleister gearbeitet hat.